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Kinder stärken und frühzeitig unterstützen – Beispiel Kindertagesstätten

Kindergärten und Kindertagesstätten eröffnen den Kindern frühzeitig den Zugang zur Bildung. Sie verfügen über gute Voraussetzungen, allen Kindern gleiche Bildungschancen zu ermöglichen und soziale Unterschiede durch gezielte und individuelle Förderung auszugleichen. Allein schon die Kontaktmöglichkeiten zu Gleichaltrigen, aber auch die Beziehung zu den Mitarbeitenden erfüllen eine stabilisierende Funktion. Neben einem umfangreichen Bildungsangebot für die Kinder machen die Kindertagesstätten auch niedrigschwellige Angebote für die Eltern. Eltern, die sich mit der Erziehung und Bildung ihrer Kinder überfordert fühlen, können sich für ihren Erziehungsalltag Rat und Unterstützung bei dem pädagogischen Personal holen. Diese Zusammenarbeit mit den Eltern ist sehr wichtig, ganz besonders bei sozial benachteiligten bzw. einkommensschwachen Familien. Gut funktionierende Netzwerke gehören dazu, um Eltern eine Entlastung für ihre Erziehungsaufgaben zu bieten. Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstätten, aber auch Schuldnerberatungsstellen und die regionalen Diakonischen Werke mit ihrem Angebot der allgemeinen Lebensberatung sind wichtige Kooperationspartner.

 

Armut bei Kindern ist mehr als nur Mangel an Geld. Nachweislich gibt es einen Zusammenhang zwischen geringem Einkommen und Benachteiligungen in anderen Lebensbereichen wie Wohnen, Essen, Gesundheit, soziale Kontakte, Freizeit und Bildung. Kinder, die durch ihre familiäre Armutslage belastet sind, brauchen frühzeitig Unterstützung. Evangelische Kindertagesstätten haben hier die Chance, präventive Angebote für die betroffenen Kinder zu entwickeln und die Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken.

Sie schenken Kindern Aufmerksamkeit, Raum und Zeit und bieten vielfältige Anregungen und Förderungsmöglichkeiten. Mit einer wachen und sensiblen Haltung sind Erzieherinnen und Erzieher in der Lage, die Zeichen von Armut zu erkennen. Kindertagesstätten können die prekäre Lebenslage zwar nicht aufheben, aber sie haben pädagogische Möglichkeiten, die Kinder bei der Bewältigung ihrer schwierigen Situation zu unterstützen. In den Bildungs- und Erziehungsplänen von Hessen und Rheinland-Pfalz wird der kompetente Umgang mit Veränderungen und Belastungen besonders hervorgehoben. Es geht darum, Kinder stark zu machen und ihre Widerstandsfähigkeit (Resilienz) zu fördern, damit sie geeignete Alltagsstrategien entwickeln können. „Da Armut häufig zu sozialem Ausschluss und Stigmatisierungsprozessen in gleichaltrigen Gruppen bzw. altersähnlichen Gruppen führt, sollten soziale Werthaltungen und wertschätzende Verhaltensweisen aller Kinder gefördert werden.“ (Bildungs- und Erziehungsplan Hessen, S. 57)

 

Das Aufwachsen von Kindern und das Wohl des Kindes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kindertagesstätten sind in dieser Hinsicht ein wichtiges Angebot. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und anderen sozialen Einrichtungen und öffentlichen Diensten können hilfreiche Präventionsketten aufgebaut werden. Es gilt aber auch, den Ursachen von Armut nachzugehen und sie strukturell sowie auf politischer Ebene zu bekämpfen.

 

 

Wie können Kirchengemeinden und Kindertagesstätten gemeinsam handeln?

 

Auch wenn es in einem reichen Land wie Deutschland kaum vorstellbar ist, so sind Kindertagesstätten oftmals der einzige Ort für manche Kinder, an dem sie eine warme und sättigende Mahlzeit erhalten. In vielen evangelischen Kindertagestätten wird daher auf eine ausgewogene Ernährung geachtet und täglich ein warmes Mittagessen zubereitet.

Kirchengemeinden können einkommensschwache Familien von der Zahlung des Verpflegungsgeldes für das Mittagessen freistellen oder in dieser Hinsicht mit der örtlichen Kommune verhandeln.  

In einigen Kindertagesstätten wird täglich ein gemeinsames Frühstück organisiert, damit  soziale Unterschiede nicht schon am Frühstückstisch spürbar werden und alle Kinder sich am Frühstücksbuffet bedienen können.

 

Kirchengemeinden können über Spendenkonten einen Sozialfonds einrichten, aus dem besondere Unternehmungen der Kindertagesstätten finanziert werden können. So können beispielsweise Theatervorstellungen und Museen besucht oder Ausflüge unternommen werden, ohne dass die Eltern mit einem Beitrag herangezogen werden.

 

Gemeindehäuser verfügen häufig über eine Küche. In Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten können Kochkurse mit und für Eltern angeboten werden, in denen die Zubereitung von einfachen, preiswerten und gesunden Gerichte auf dem Plan steht.

 

 

 

 

 

Wenn das Kindeswohl in Gefahr ist

 

„Kindern gehört die Zukunft, aber dazu müssen sie erst einmal eine Gegenwart haben.“

 So beginnt ein Artikel von Frauke Kaberka im Darmstädter Echo (24.11.2007).

 

Einige Kinder haben leider nur eine Vergangenheit. Sie heißen Dennis, Michelle, Jessica, Kevin und Lea-Sophie. Sie starben weil ihre Eltern sie verhungern ließen. Bis zu 100. 000 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren sind nach Erkenntnissen des Bielefelders Jugendforschers Klaus Hurrelmann Vernachlässigungen und Misshandlungen in ihren Familien ausgesetzt. Fast 26.000 Kinder wurden im jahr 2006 aus ihren Familien geholt, weil das Wohl des Kindes gefährdet schien.

 

Warum schlagen, verletzen und vernachlässigen Eltern ihre Kinder? „Meistens, weil sie überfordert sind“, zitiert die Frankfurter Rundschau (24.11.2007) Marlis Herterich, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes. Diese Überforderung müsse nicht zwangsläufig etwas mit Arbeitslosigkeit und Armut zu tun haben – obwohl beides die Menschen „müde, resigniert und abgestumpft“ mache.

 

Die Fälle von Kindeswohlgefährdung, wie es in der Amtssprache heißt, sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Sie stellen ein wachsendes Problem in der Gesellschaft dar und fordern auch die Kindertagesstätten zum Handeln heraus. Die Regelung des Paragraphen 8 a SGB VIII macht klare Vorgaben zur Erfüllung des Schutzauftrages. Dieser Schutzauftrag ist keine neue Aufgabe für Kindertagestätten, denn von jeher gehört es zum Auftrag von Kindertagesstätten, das Wohl des einzelnen Kindes zu sichern und möglichen Entwicklungsbeeinträchtigungen entgegenzuwirken. Doch mit der neu gefassten gesetzlichen Regelung kommt es zu einer Verpflichtung und einer verbindlichen Struktur, um eine bessere Absicherung des Kinderschutzauftrages zu gewährleisten. Neu sind beispielsweise die Vereinbarungen, die das Jugendamt mit den freien Trägern zu schließen hat. Außerdem muss jede Kindertagesstätte ein Schutzkonzept vorlegen, welches das Verfahren bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung festlegt. In erster Linie geht es für die Kindertagesstätten darum, überlegt und strukturiert zu handeln, um professionell Hilfe anbieten zu können. Das Wächteramt und somit die Kontrolle obliegt nach wie vor dem Staat und somit dem örtlichen Jugendamt. Aber hinsehen und handeln können alle, denen das Wohl des Kindes am Herzen liegt.

 

 

Brigitte Winkel, Elke Heldmann-Kiesel

 

Mehr zum Thema Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung können Sie auf den Internetseiten des Fachbereichs Kindertagesstätten unter Info/Rechtliche Grundlagen nachlesen.