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Bildung für alle – Zukunftschancen für alle

Bildung nimmt einen immer größeren Stellenwert für die Zukunftschancen der Menschen ein. Ungleiche Bildungschancen verfestigen ungleiche Lebensbedingungen und eine ungerechte Chancenverteilung in der Gesellschaft. Mit der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 2001 wurde bereits die soziale Ungleichheit des Bildungswesens in Deutschland beklagt. Es wurde klar festgestellt, dass der Schulerfolg der Kinder weiterhin eng mit der sozialen Herkunft und dem Status der Eltern verknüpft ist. Das dreigliedrige Schulsystem selektiere weniger nach Leistung und Begabung als nach sozialen Aspekten. Kommen die Kinder aus bildungsnäheren Schichten, stehen ihnen die Türen zum weiterführenden Schulsystem offen. Kinder aus Familien mit geringerem Bildungshintergrund und niedrigerem sozialen Status landen eher in der Hauptschule. Auch der Armutsbericht der Bundesregierung stellte drei Jahre später fest, dass die Bildungschancen „sozial vererbt“ und zugeteilt werden. Chancengleichheit durch Bildung ist nicht gegeben. Kinder aus armen Familien werden von höherer Bildung zum großen Teil ausgeschlossen. Eine Langzeitstudie, die von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Auftrag gegeben wurde kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Kinder aus armen Familien weniger Chancen im deutschen Schulsystem haben. Der Untersuchung des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) zufolge schafften nur vier Kinder, die als arm galten, nach der Grundschule den Sprung auf das Gymnasium. Dreieinhalb Mal so viele arme Kinder wie nicht-arme Kinder würden bereits in der Grundschule eine Klasse wiederholen. Auch im aktuellen internationalen Vergleich der Leseleistungen von Grundschülern (Iglu / November 2007)) zeigt sich erneut ein klarer Zusammenhang zwischen schulischer Leistung und sozialer Herkunft. Bei den Viertklässlern finde sich eine relative enge Verbindung zwischen Sozialschicht und Lesekompetenz (Darmstädter Echo, 29.11.07).

 

Die Bildungskarriere von Zehn-/Elfjährigen stellt sich im Vergleich von armen und nicht-armen Kindern wie folgt dar:

 

Bei armen Kindern

  • sind Klassenwiederholungen häufiger
  • sind die Durchschnittsnoten am Ende der Grundschule schlechter
  • ist der Wechsel ins Gymnasium seltener, der Wechsel in Förder- und Hauptschulen jedoch häufiger (Gerda Holz / ISS / Vortrag 5.12.06 / Bildungskarriere der Zehn-/Elfjährigen).

 

Diese Ergebnisse sind nicht neu, seit gut 50 Jahren belegt die Bildungsforschung eine enge Verknüpfung von sozialer Herkunft und Schulerfolg. „Gleiche Bildungschancen für alle“ ist eine Forderung aus den 60er Jahren, nur eingelöst wird sie bis heute nicht. Von einer Umverteilung der Bildungschancen zugunsten der benachteiligten unteren Schichten sind wir noch weit entfernt. „Wer arm ist an kulturellen und materiellen Gütern hat es bis heute schwerer, eine Bildungskarriere am Gymnasium zu machen…“. (Annelie Stompe, Armut und Bildung: PISA im Spiegel sozialer Ungleichheit, S. 140). Somit werden soziale Benachteiligungen durch Bildungsprozesse noch festgeschrieben. Armut von Kindern bedeutet nicht nur schlechtere Lebensbedingungen sondern auch geringere Bildungschancen, womit sich der Kreis schließt. Denn ein niedriger Bildungsabschluss, führt zu einer schlechteren Berufsausbildung - oder auch zu gar keiner - und damit überproportional zu geringem Einkommen und Arbeitslosigkeit.

 

Bildungspolitische Anstrengungen müssen somit auf die individuelle Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien setzen. Das beginnt mit dem frühzeitigen Besuch einer Kindertagesstätte (Kita), dem eine positive Auswirkung auf die Schulkarriere bescheinigt wird. 29 % der Kinder, die spätestens ab dem dritten Lebensjahr eine Kita besuchen, erreichen der ISS-Langzeitstudie zufolge das Gymnasium (ISS, Gerda Holz, 2005). Bildung kann somit Armut verhindern, wenn sie die Begabungen und Potentiale der Kinder in den Kindertagesstätten und in den Schulen stärkt und fördert und an der sozialen Integration von Kindern aus armen Familien ausgerichtet ist. „Bildung für alle“ fordert das Recht auf Bildung ein, damit alle Kinder eine Zukunftschance haben und ist nicht nur ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit sondern auch zur Armutsbekämpfung (vgl. Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 12 / 2007).

 

Elke Heldmann-Kiesel