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Kinderwelten sind Medienwelten

 

Pädagogik zwischen Medienschutz und Medienkompetenz

 

„Medien machen dumm, dick und einsam.“ Karsten Krügler, Bildungsreferent im Institut für Medienpädagogik und Kommunikation, provoziert und räumt zugleich mit Vorurteilen auf. Beim Thema Medien komme zuerst die kritische Seite zu Wort, bedauert er. Die Politik kümmere sich um den Schutz und verkenne die Chancen. In seinem Vortrag vor 150 pädagogischen Fachkräften aus evangelischen Kindertagesstätten in Darmstadt wirbt er für eine begeisterungsfähige Haltung gegenüber den Medien. Mit der Bibel in der Hand spricht er vom „Sündenfall der Pädagogik“ „Wenn Pädagogen von Medien reden, reden sie über Risiken, Gefahren und negativen Folgen und nicht von Lust, Spaß und Abenteuer.“

 

Wie funktioniert die mediale Wahrnehmung?

„Wir müssen nach der Bedeutung fragen, die wir den Medien subjektiv geben“, sagt er. Der Zugang zu den Medien funktioniere weniger über den Inhalt als über die Emotion. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Medienkonsum reiche daher nicht aus. Wer die Medien verstehen wolle, müsse das Prinzip der medialen Wahrnehmung durchschauen. Die Medienwelt sei spirituell aufgeladen. Sie erfülle das Prinzip Hoffnung und stifte Sinn. „Medien greifen die Bedürfnisse der Menschen auf. Sie schenken uns Aufmerksamkeit, simulieren Bedeutung, erlauben uns Emotionalität und lassen uns Abenteuer erleben.“ All das was wir an Themen im Leben ausklammern komme in den Medien vor. Und weil Medien visuell kommunizieren und über Bilder „lebendig und anschaulich sprechen“ würden sie „von der Seele mit Begeisterung aufgenommen“. Dies habe schon Papst Pius XII über die Macht des Films festgestellt.

 

Kompetenzgewinn erkennen und ernst nehmen

Im Medienverhalten zeige sich der Umgang der Generationen mit Neuem. „Ab einem gewissen Alter hat man Vorbehalte gegenüber dem Neuen oder entwickelt vielleicht sogar Angst davor. Kinder hingegen sind fasziniert von allem was neu ist.“ Kinder und Jugendliche seien neugierig auf die neuen Möglichkeiten, die ihnen die Medien bieten. Sie nutzen sie lustvoll und aktiv. Dabei entwickeln sie Kompetenzen, die Pädagogen ernst nehmen sollten, so Krügler. Die jüngere Generation heute habe eine andere Auffassungsgabe, dies hätten Untersuchungen gezeigt. Die Fähigkeit, sich schnell ein Bild zu machen und vieles gleichzeitig wahrzunehmen, sei enorm gewachsen. Die Wahrnehmungsgeschwindigkeit habe sich erhöht, auch der visuelle IO sei gestiegen. „Die Jüngeren können heute schneller kucken“, erläutert Peter Holnick, Leiter des Instituts für Medienpädagogik in Dreieich.

 

Leben in und mit den Medien

Im Workshop Kommunikation zeigt er die Entwicklungen vom analogen ins digitale Zeitalter auf. Medienkritik habe es schon immer gegeben. Immer wenn etwas Neues kam, hätten Mahner Gefahren gewittert und Ängste geschürt, ob beim Buch, Tonfilm oder Fernseher. Tatsächlich hätten uns die Medien schon längst verändert und unser Weltbild beeinflusst. „Die Medien sind Realität. Modernes Leben ist ein Leben in und mit Medien. Man sollte über sie Bescheid wissen und verstehen wie sie wirken.“ Statt Fernseher und Computer aus dem Alltag von Kindern zu verbannen, komme es auf einen selbst bestimmten Umgang mit den Medien an. Die Medienindustrie buhle permanent um die Aufmerksamkeit der Kinder und greife zugleich das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit auf. Aufmerksamkeit sei zur Ware geworden, wie man an den vielen Castingshows sehe. Auch bei Face-book & Co. gehe es in erste Linie um die Simulation der eigenen Bedeutsamkeit. „Der beste Medienschutz ist die Erweiterung der Medienkompetenz und eine anregungsreiche Lebenswelt“, sagt Holnick. Die Reflektion über die Medien und über sich selbst sei eine wichtige Bildungsaufgabe.

 

Beim Fachtag „Kinderwelten – Medienwelten“, Anfang Oktober in Darmstadt, standen medienpädagogische Anregungen für den Kindertagesstätten-Alltag im Mittelpunkt. Nach dem Vortrag konnten die Teilnehmenden in sechs Workshops selbst tätig werden und den kreativen Umgang mit Medien praktisch ausprobieren. Auf dem Programm standen Angebote wie: Hörspiel, Digitale Fotografie, Kinderspiele für den PC, Spielkonsolen und Fernehen. Ein weiterer Workshop thematisierte die Veränderungen der Kommunikation durch Medien ein anderer widmete sich der Gestaltung von Elternabenden zum Umgang mit Medien.

Der Fachtag des Zentrums Bildung der EKHN wurde von Rosemarie Gruber, Fachberaterin für Kindertagesstätten, geleitet. Er wurde in Zusammenarbeit mit dem Trägerausschuss der Evangelischen Kindertagestätten im Dekanat Darmstadt-Stadt veranstaltet. In seinem Grußwort betonte der Vorsitzende, Uwe Wiegand, dass Kindertagesstätten keine Inseln fernab von Medien seien. Er wünsche sich einen kritischen und reflektierten Umgang mit Medien, bei dem es Chancen zu entdecken aber auch Grenzen zu setzen gebe.

 

Bilder (pdf)

 

Elke Heldmann-Kiesel

 



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