Suche | Kontakt | Anfahrt | Impressum | Startseite
 Das Zentrum | Veranstaltungen | Download | Links | Fach- und Profilstellen |

Brückenbauer zwischen Schule und Kirche

Für Lothar Jung-Hankel geht nach zehn Jahren seine Beauftragung als Landeschülerpfarrer der EKHN zu Ende. Ab Juni übernimmt der 51-Jährige eine halbe Stelle in der Krankenhaus-Seelsorge und mit einem weiteren Auftrag die Vernetzung und die Ausbildung der Ehrenamtlichen in der Seelsorgearbeit in Frankfurt. Zwei Projekte begleitet er noch zu Ende, den Weiterbildungskurs Schulseelsorge und die Konferenz für schulbezogene Jugendarbeit und Schulseelsorge im September. Offen ist, was aus der Stelle im Zentrum Bildung wird. Die Entscheidung, wo die schulbezogene Arbeit in Zukunft verortet wird, steht noch aus.

 

Außerschulische Perspektive
„Als Landesschülerpfarrer stand ich außerhalb von Schule. Meine Aufgabe war es, die Gemeinden und Dekanate zu beraten. Das war die Blickrichtung mit der ich in die Schule hinein gegangen bin“, sagt Jung-Hankel, dem die außerschulische Perspektive der Kinder- und Jugendarbeit wichtig ist.

 

„Mit der schulbezogenen Jugendarbeit und der Schulseelsorge sind wir als Kirche am Lern- und Lebensort Schule präsent“, beschreibt Lothar Jung-Hankel sein bisheriges Arbeitsfeld. „Damit haben wir die Möglichkeit zu einem besseren Schulklima bei zu tragen und das Schulleben mit innovativen Formen pädagogischen Handelns zu ergänzen und zu bereichern. Vor allem aber bringen wir eine spirituelle und religiöse Dimension und eine seelsorgerliche Kompetenz in den Schulalltag mit ein.“ Die evangelische Schulseelsorge sei im Schulsystem mittlerweile ein anerkannter Bereich. Immer mehr Schulen hätten Interesse an einem kirchlichen Angebot an ihrer Schule.

 


EKHN-Modell der Schulseelsorge
„Das EKHN-Modell der Schulseelsorge hat in der Kirche bundesweit eine Vorreiterrolle“, berichtet er. Andere Landeskirchen hätten sich an das „Drei-Säulen-Modell“ angelehnt. „Es ist uns in der EKHN gelungen, die Kinder- und Jugendarbeit, die Seelsorge und den Religionsunterricht institutionell zusammenzubringen und inhaltlich gut zu verbinden“, sagt Jung-Hankel. Ein Erfolgmodell, von dem Kirche und Schule profitiere, aber auch die Jugendlichen selbst. Es gibt mittlerweile 80 Schulseelsorgestellen, doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren und dazu weitere Beauftragungen für Religionsleherer/innen. Hinzu kommen ca. 25 Personen, die in der schulbezogenen Arbeit als Gemeindepädagogen tätig sind.

 

Viel Bewegung im Schulbereich
„Das letzte Jahrzehnt war eine Phase, in der sich im schulischen Bereich viel bewegt und verändert hat“, blickt Lothar Jung-Hankel zurück. „Meine Arbeit war stark geprägt von der
Entwicklung zu mehr Ganztagsschulen und der Verkürzung der gymnasialen Oberstufe.“ Die kritische Auseinandersetzung mit der Ausweitung von Schule werde auch in den kommenden Jahren eine besondere Herausforderung für Kirche bleiben.

 

„Dieses Angebot für alle Kinder und Jugendliche, auch für die, die keine Beziehung zur Kirche haben, ist eine große Chance, Glaubensfragen sowie religiöse und ethische Themen ins Spiel zu bringen“, ist der Landesschülerpfarrer überzeugt. Besonders wenn es Kirche gelinge, das Evangelische Profil in der Schule erfahrbar zu machen und gleichzeitig in den Gemeinden und Dekanaten mit einem lebensnahen Angebot verortet zu sein.

 

Kooperationen pflegen
Kooperationen initiieren und begleiten, Schnittpunkte verbinden, Übergänge gestalten, das sind die übergeordneten Aufgaben des Landesschülerpfarrers, weiß Jung-Hankel. „Ich habe mich stets als ‚Team-Player’ verstanden und mit unterschiedlichen Institutionen zusammengearbeitet.“ Im Bereich der Fortbildung für Schulseelsorge habe er mit dem Religionspädagogischen Studienzentrum eine enge Kooperation gepflegt. Gerne blickt er auch auf die Kontakte mit anderen Landeskirchen zurück. Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schülerinnen und Schülerarbeit in Deutschland (AES) hat er fünf Jahre lang die Prozesse auf EKD-Ebene begleitet.

 

Schwerpunkt Ganztagsschulen
„Vor zehn Jahren habe ich mit dem Schwerpunkt schulbezogene Arbeit mit Kindern und der Entwicklung von Modellprojekten für Tage der Orientierung im Grundschulbereich angefangen.“ Mit der Zeit habe sich die Kooperation mit Ganztagsschulen stärker ausgeweitet, die vom Landesschülerpfarrer in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Dekanaten unterstützt wurde. „In den letzten Jahren war ich mehr in der Fortbildung, Fachberatung und Konzeptionsentwicklung für Schulseelsorge und schulbezogene Jugendarbeit gefragt und mit der Erstellung von Expertisen und Stellungnahmen zum Arbeitsfeld Kirche und Ganztagsschule befasst“, so Jung-Hankel. Hierzu gehörte auch die Entwicklung und Absicherung der Stellen im Bereich der schulbezogenen Jugendarbeit, was mangels Ressourcen nicht überall gelungen sei.

 

Ein weiteres Feld war die Verwaltung des Sonderfonds für schulbezogene Jugendarbeit und der Fördermittel für Tage der Orientierung. Für 2010 seien bereits Anträge für mehr als 100 Veranstaltungen mit insgesamt 3.000 Teilnehmenden gestellt.


„Viele gesellschaftliche Trends und Probleme kristallisieren sich frühzeitig im schulischen Kontext heraus. In Fortbildungen und Fachtagungen haben wir die aktuellen Themen in den Schulen aufgegriffen. Mit Angeboten wie Mobbing, Ritzen und Selbstverletzung oder Nebenjobs von Schüler/innen waren wir immer am Puls der Zeit“, resümiert Lothar Jung-Hankel.

 


Biographische Daten

Lothar Jung-Hankel studierte von 1979 bis 1986 in Frankfurt, Marburg und Heidelberg Theologie. Nach seinem Spezialvikariat beim Nordkalifornischen Kirchenrat in San Francisco (USA), arbeitet er zunächst als Pfarrvikar in der Friedenskirchengemeinde Offenbach, später übernahm er eine Pfarrstelle der Luthergemeinde Offenbach. Drei Jahre lang teilte er sich mit seiner Ehefrau eine Pfarrstelle in Cleeberg/Espa, bevor er am 1.8.2000 die Stelle als Landesschülerpfarrer der EKHN antrat.

 

Persönliches

Lothar Jung-Hankel ist begeisterter Sänger und Gitarrist. Am liebsten singt er mit Kindern, wozu er in Nieder-Weisel, der Kirchengemeinde seiner Frau, viel Gelegenheit hat. Dort fährt er als Betreuer bei Kinderfreizeiten mit, begleitet die Pfarrerin bei Konfirmanden-Projekten und beteiligt sich bei Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen. Der Mann mit der Gitarre läuft außerdem regelmäßig Marathon, engagiert sich im Arbeitskreis Kirche und Sport und organisiert den Gottesdienst beim Frankfurt Marathon.


Elke Heldmann-Kiesel



<- Zurück zu: Zentrum Aktuell


Talentförderung oder Elitebildung?

Prof. Dr. Gesine Schwan stellt sich Fragen der Bildungsgerechtigkeit, am 27. Oktober in Frankfurt.

 

mehr ...

Tim Bürger neuer Jugendpfarrer der EKHN

Der 40-jährige Theologe und promovierte Pädagoge Tim Bürger ist seit Anfang Juli im Amt.

mehr ...

Bildung gut geplant - ein Fortbildungsseminar ab 4.Oktober 2010

Zukunftsorientierte Bildungsplanung und Bedarfserschließung des Dekanats.

mehr ...